Hamburg, 06.06.2008: Die Experten sind sich einig: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch. Nur bis es soweit ist, wird es noch etwas dauern. Das zumindest sagen die Autohersteller und verweisen auf viele Hürden, die Batterien oder Brennstoffzellen noch nehmen müssen.
Beim kalifornischen Unternehmen Tesla sieht man das anders: Statt etwa auf die ersten Lithium-Ionen-Batterien fürs Auto zu warten, haben die Entwickler fast 7000 Laptop-Akkus kurzerhand zu einem Energiespeicher gebündelt und drum herum einen Roadster gebaut, der seit Monaten in aller Munde ist. Denn der Zweisitzer auf Basis des Lotus Elise gilt als erstes Elektroauto, das weitgehend alltagstauglich ist, jetzt in Serie produziert und ab Mai 2009 für knapp 120.000 Euro auch in Europa verkauft wird.
Anders als bisherige Öko-Autos predigt Tesla nicht den Verzicht. Autofahren dürfe mit reinem Gewissen noch Spaß machen, bringt Marketing-Chef Derryl Siry die Botschaft auf den Punkt. Deshalb startet Tesla nicht mit einem abgespeckten Stadtflitzer oder einem aufgerüsteten Golfwagen, sondern mit einem waschechten Sportwagen. Entsprechend sind seine Fahrleistung: Obwohl die Batterie das Gewicht auf 1,2 Tonnen treibt, beschleunigt der Tesla schneller als die meisten Porsche. Er schießt davon wie die Autos auf einer Spielzeugrennbahn, braucht nur 3,9 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 und macht auch bei höheren Geschwindigkeiten mit jedem Tritt aufs Gaspedal noch einmal einen Satz nach vorne. Allerdings haben die Entwickler die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h begrenzt.
Möglich werden die imponierenden Fahrleistungen mit einem 225 kW/300 PS starken Elektromotor an der Hinterachse, der kaum größer ist als eine Wassermelone und weniger wiegt als zwei Zementsäcke. Anders als bei Verbrennungsmotoren steht seine maximale Anzugskraft bereits ab der ersten Umdrehung zur Verfügung: Deshalb beschleunigt der Roadster, als würde er von einem Katapult geschossen. Bremst man den Wagen ab, arbeitet der Motor als Generator und lädt die Akkus.
Aber nicht nur der Antritt ist begeisternd. Fast noch mehr beeindruckt die absolute Ruhe aus dem Motorraum. Natürlich muss man sich daran zunächst ebenso gewöhnen wie manch erschreckter Radfahrer an der Ampel. Doch wo sonst die Auspuffrohre röhren wie brünftige Hirsche, hört man hier allenfalls ein Surren, das alsbald im Abrollgeräusch der Reifen und dem Rauschen des Fahrtwindes untergeht. Im Tesla fährt man nicht durch die Stadt, man segelt! Und auch auf der Autobahn kann man sich plötzlich wieder mit seinem Nachbarn in normaler Lautstärke unterhalten.
Wo andere Autos einen Tank haben, steckt beim Tesla das riesige Batteriepaket, das nahezu den gesamten Kofferraum einnimmt und gerade noch Platz lässt für das herausnehmbare Stoffverdeck und ein, zwei Reisetaschen. Von einer aufwendigen Elektronik gesteuert und einer speziellen Flüssigkeit gekühlt, soll sie genügend Kapazität für 365 Kilometer bieten. Ein Ladezyklus an der Steckdose dauert je nach Stromstärke zwischen 3,5 und 16 Stunden, kostet nicht einmal zehn Euro und entscheidet über die Schadstoffbilanz des Sportlers. Denn auf der Straße ist der CO2-Ausstoß zwar gleich null, doch nur wer «grünen» Strom zapft, darf wirklich guten Gewissens Gas geben.
Bislang gilt die Batterie als Knackpunkt eines Elektroautos, weil ihre Kapazität über die Lebensdauer abnimmt. Kritiker fürchten deshalb, dass der Roadster schnell an Tempo und Reichweite einbüßt. Tesla dagegen garantiert eine Lebensdauer von vier bis fünf Jahren oder rund 160.000 Kilometern. Danach müsse man Beeinträchtigungen hinnehmen oder für etwa 15.000 Euro einen neuen Akku kaufen. Zwar müssen auch Verbrenner zum Service, doch wenn die Preise bis dahin nicht sinken, verliert der Stromer spätestens dann an Sex-Appeal.
Neben den offenen Fragen zur neuen Technik hat der Roadster auch ein paar handwerkliche Schwächen, die Tesla bis zur Markteinführung aber beheben will: Denn bislang stehen - Sitzheizung hin, Lederpolster her - Verarbeitungsqualität und Materialauswahl im krassen Widerspruch zum Preis. Und auch das Fahrwerk dürfte etwas komfortabler abgestimmt sein.
DATENBLATT Motor und Antrieb: Dreiphasen-Elektromotor Hubraum: keinen Max. Leistung: 225 kW/300 PS bei 13000 U/minMax. Drehmoment: 340 Nm ab 0 U/min Antrieb: Heckantrieb Getriebe: Eingang-Getriebe Maße und Gewichte Länge: 3946 mm, Breite: 1873 mm, Höhe: 1127 mm, Radstand: 2352 mm, Leergewicht: 1220 kg Zuladung: k.A. Kofferraumvolumen: k.A. Fahrdaten Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9 s Durchschnittsverbrauch: 0,0 Liter/100 km Reichweite: 365 km CO2-Emission: 0 g/km Kraftstoff: Strom Schadstoffklasse: k.a Kosten Basispreis der Modellreihe: 117.810 Euro Grundpreis des Tesla Roadster: 117.810 Euro Typklassen: k.A. Kfz-Steuer pro Jahr: k.A. alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke Wichtige Serienausstattung Sicherheit: ABS, Fahrer- und Beifahrer-Airbag Komfort: Klimaanlage, Sitzheizung, Tempomat, Soft- und Hardtop
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