Hamburg, 30.03.2009: Tesla - (T) ist eine abgeleitete SI-Einheit für die magnetische Flussdichte oder Induktion. Die Einheit wurde im Jahre 1960 auf der Conférence Générale des Poids et Mesures in Paris nach Nikola Tesla benannt.
Tesla ist aber auch der neue Stern am Elektroauto-Himmel, wenn es um Firmenvorstand Elon Musk geht. Der Paypal-Gründer, der mit seinem Internet-Bezahlsystem Millionen verdiente ist seit kurzer Zeit Vorstand der kalifornischen Start-Up-Autoschmiede, die im letzten Jahr mit dem Tesla Roadster auf Basis des Lotus Elise großes Aufsehen erregte und dann im Zuge der Finanzkrise selber in Schwierigkeiten kam.
Nun soll alles anders werden. Statt eines 100.000 Euro-Zweisitzers gibt es nun ein neues Auto fürs Volk. Model S heißt es und verbeugt sich damit vor dem legendären Model T von Ford. Tesla möchte damit die Ernsthaftigkeit des Projekts unterstreichen und vor allem zeigen, wie sicher man sich ist, dass das Elektroauto die Mobilität der Zukunft sichern wird.
Aber der Reihe nach: das Model S ist ein familienfreundlicher Viertürer, der bis zu sieben Passagieren Platz bietet, in 5,5 Sekunden auf 100 km/h stromt und dabei sogar 480 Kilometer weit mit einer Akkuladung kommt. Das alles zum Preis für 49.900 Dollar und simpler Plug-and-Play-Aufladetechnik.
Ist das Model S tatsächlich der Obama der automobilen Zukunft? Yes, we can elektrisch? Nun ja, vielleicht muss man (in beiden Fällen?) doch etwas differenzieren. Zunächst einmal die Achillesferse jedes Elektroautos: die Stromversorgung. Der neue Tesla führt sein Ladekabel onboard mit und kann damit an jedes Netz angeschlossen werden. Ob 120V, 240V oder 480V spielt dabei keine Rolle – die Aufladezeit verändert sich jedoch dem Potential entsprechend. Im Starkstrom-Fall dauert das Nachtanken 45 Minuten und Tesla-Chef Musk erklärt, dass man auf der Strecke von Los Angeles – New York genauso schnell sei, wie ein Verbrennungsmotor-betriebenes Fahrzeug. Vorausgesetzt man legt alle 480 Kilometer eine 45-minütige Essenpause ein. Das mag zwar in den USA funktionieren, aber hierzulande fällt diese Vorstellung dann doch etwas schwer. Vielleicht macht Tesla fahren aber auch einfach unglaublich hungrig?
Vielleicht braucht man aber auch genug „Saft“ in den Armen, wenn es darum geht die Akkupacks zu wechseln. Der Tesla-Chef schwärmt vom Israel-Modell, denn dort gibt es sogenannte Ladestationen, an denen man den leeren Akku abgibt und einen vollen mitnimmt – der Wechsel erledigt sich im Model S in einer Minute, so Musk. Dafür sollte man dann aber wahrscheinlich auch den kalifornischen Gouverneur mitnehmen, denn haben Sie schon mal eine vernünftige 100 Ah-Batterie aus dem Motorraum gewuchtet? Nein? Schade. Ja? Dann stellen sie sich jetzt einmal vor, wie schwer der „Schnellwechsel-Akku“ sein wird, wenn er Ihre sechsköpfige Familie in 5,5 Sekunden auf 100 beschleunigt. Vergessen wir also die Wechselgeschichte…
Dennoch bietet die Methode der Wechselei einen Vorteil. Der Akku sitzt deshalb nämlich am Wagenboden. Vorteil 1: tiefer Schwerpunkt und dadurch angenehme Fahrperformance. Vorteil 2: viel Platz im Innenraum. Unser Freund der bildhaften Beispiele Elon Musk hat auch an dieser Stelle wieder eins parat: der Kofferraum des Model S sei so groß, dass man einen 50-Zoll-Fernseher, ein Mountainbike und ein Surfbrett gleichzeitig transportieren könne. Das ist natürlich nicht schlecht. Aber was bitte macht man am Sandstrand mit einem 50-Zoll-Fernseher? Oder in den Mountains mit einem Surfbrett? Nunja, immerhin bietet der Tesla scheinbar mehr Platz als X6, Cayenne & Co.
Auch bei den Betriebskosten sticht der kalifornische Stromer die Konkurrenz aus. Nicht nur, dass er lediglich alle sieben Jahre zur Inspektion muss (die kostet dank Akkutausch dann aber gleich 10.000 Euro), sondern er fährt für einen Euro bis zu 100km weit. Sogar die Anschaffung ist günstig. Nach dem verhaltenen Interesse am teuren Roadster sind die Controller beim Model S etwas freundlicher gewesen. 49.900 Dollar kostet der S nach Abzug der „E-Auto Prämie“ der Staaten in Höhe von 7.500 Dollar.
Dieser Preis gilt aber leider nur für das Basismodell – denn die großen Akkus für große Reichweite gibt es nur in teureren Versionen. Geplant sind drei Modelle mit 250km, 370km und eben 480km Reichweite. (Erinnern sie sich noch an das Essenspausen-Beispiel? Die Sparversion wünscht guten Appetit…) Wer sich die Zeit anstatt mit Essen mit anderen Dingen vertreiben möchte, der findet im Innenraum jede Menge multimediale Ablenkung. Ein 17-Zoll-Touchscreen-Display (17 Zoll!) informiert über alle wichtigen Dinge und dank 3G-Internet-Zugang auch über Unwichtige. Das Navi ist Google-Maps kompatibel und als Feature lässt sich der Ladezustand der Akkus auch bequem vom Büro aus per Laptop, oder vom iPhone unterwegs auslesen.
Bestellen kann man den Tesla demnächst online. Ob man dann in 2011 auch einen bekommt hängt dann aber tatsächlich von yes, we can-Obama ab, denn der hat den Model-S-Schöpfern einen Kredit von 350 Millionen Euro zum Bau einer neuen Fertigungsanlage versprochen.
In der Wartezeit kann man sich an den technischen Daten erfreuen, oder seinen Stoffwechsel umstellen – schließlich wird man in Zukunft etwas häufiger zu Tisch sein. Mahlzeit.
Technische Daten: Motor: Elektromotor, asynchron Batterien: Lithium-Ionen-Akkumulatoren Aufladedauer: 45 Minuten bei 480 Volt Reichweite: 480 km, 370 km oder 250 km Beschleunigung: 5,5 Sekunden bis 100 km/h Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h US-Preis: 49.000 US-Dollar
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