Hamburg, 13.11.2009: Als ihn die Stuttgarter 1953 aus dem Werkstor rollten, waren sie sich zwar sicher etwas Schnelles auf die schmalen Räder gestellt zu haben, doch dass sie mit dem 550 Spyder den Anfang einer Legende schrieben war wohl den wenigstens bewusst. Dass der kleine Alurennwagen von Porsche auf der Rennstrecke die deutlich größere und vor allem stärkere Konkurrenz hinter sich lassen konnte, machte ihn zur Ikone. Der tragische Unfalltod von James Dean in seinem „little bastard“ trug seinen Teil zum Mythos um den 550 Spyder bei. Seither standen die Sportwagen aus Zuffenhausen für kompakte, agile Wagen, die sowohl auf der Rennstrecke, als auch im Alltag eine gute Figur abgaben.
Und heute? Ein Cayenne und ein ordentlich ausgestatteter Panamera wiegen gemeinsam beinahe soviel wie zehn Spyder. Schwer und luxuriös werden beide Modelle getragen vom Mythos der Marke, vom Geist des Rennsports, auch wenn’s nur zur Driving Range geht. War ein alter Porsche immer nur ein Kompromiss, so sind die heutigen beinahe perfekt. Früher saß man nah an der Scheibe, die Bewegungsfreiheit war eingeschränkt, die Sitzposition nicht ideal und der Komfort beispielsweise mit der nie gut funktionierenden Heizung mäßig.
Heute ist das Arrangement perfekt, die Verarbeitung auf höchstem Niveau und sogar moderne Entertainment-Features sind mit an Bord. Da außerdem auf der Antriebsseite immer ein paar Kohlen nachgelegt wurden, sind die modernen Modelle von Generation zu Generation nicht nur besser, sondern auch schneller geworden. Die Fans wissen das und so legt sich die Aufregung nach der Präsentation eines neuen Modells recht zügig – ebenso wie die Kaufverträge unterzeichnet werden. Das mag daran liegen, dass kein Hersteller – und wir schreiben hier bewusst kein Hersteller – es versteht, wie Porsche den Mythos der eigenen Marke mit kleinen Zitaten an die Vergangenheit immer wieder neu zu entfachen. Sei es die Farbgebung des 996 GT3 RS der zweiten Generation, die sämtliche Eigner eines 1973er Carrera RS praktisch zum Kauf zwangen, oder die Reminiszenz an die schrillen Rennlackierungen mit orange und grün auf dem 997 GT3 RS.
Auch wenn man denkt, dass nun keine Zitate mehr gefunden werden können, so geht es bei Porsche munter weiter: da werden die klassischen Füchse wieder ausgepackt, der Entenbürzel auf die Motorhaube geschnallt und das ganze mit WLS und einigem Lederzierrat für eine Viertelmillion Euro verkauft. Mit Warteliste versteht sich. Man will es ja haben. So auch beim neuen GT3. Wieder besser, wieder schneller als der Alte, ein paar neue Leuchten, Zentralverschlussfelgen und eben das 3.8-Logo. Wer erinnert sich nicht an den pausbäckigen 3.8 RS der Baureihe 964 dessen kleine 3.6-RS-Brüder derzeit wieder Höchstpreise erzielen?
Beim aktuellen GT3 RS gelang den Marketing-Experten aus Zuffenhausen abermals ein genialer Coup. Die Zuziehschlaufe ist zurück. Was bei 964 RS noch in der Presspappen-Türtafel Mittel zur Gewichtsreduzierung war, dient nun als Austauschteil für den Chromgriff für die gewisse Prise Rennatmosphäre. Nötig wäre das alles nicht, doch genau das ist es, was Porsche so besonders macht. Es ist die Liebe zum Detail und die Versessenheit alles immer ein bisschen besser zu machen. Deshalb gibt es nun den neuen Boxster Spyder. Ein Porsche, der nicht nur dank seiner Designzitate an die Vergangenheit erinnern soll, sondern auch mit weniger Gewicht und mehr Fahrdynamik punkten soll.
Dank der langgezogenen Höcker hinter den Überrollbügeln erinnert die Silhouette nicht nur an die klassischen Spyder, sondern auch an den Carrera GT. Das schwere elektrohydraulische Verdeck lässt der Neue ebenso im Werk wie die vollelektrischen Sitze. Die Instrumentenabdeckung fehlt, wie auch ein paar Dämmstoffe in Innen- und Motorraum. Spezielle Leichtbaufelgen in 19 Zoll reduzieren außerdem nicht nur das Gewicht, sondern auch die ungefederten Massen, was auch der Performance zuträglich ist. Der Lohn der Gewichtsersparnismühe ist ein von 1355 kg auf 1275 kg gesunkenes Leergewicht. Um den Abstand auf die Serienbrüder in der Fahrdynamik noch größer zu machen spendiert Porsche dem Boxster Spyder die Motorabstimmung des Cayman S, womit er nun ebenfalls 320PS leistet.
Die 63.404 Euro und damit 7021 Euro Mehrpreis gegenüber dem Serienmodell Boxster S sorgen zwar derzeit wieder für die altbekannte Unruhe unter den Fans, denn auch wenn er ausstattungsbereinigt kaum teurer ist, so stellt der Boxster Spyder kein limitiertes Sondermodell dar, sondern einen unbegrenzt gebauten Serienableger. Doch auch hier wiederholen sich die Muster: erst ist der Aufschrei groß, danach jedoch nur noch der Absatz…
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