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An
mir ist er vorbeigerauscht, der Pokémon-Zug. Schnuffelige kleine Viecher,
die die Kinderherzen weltweit im Sturm eroberten. Und ordentlich trainiert,
haben sie es alle faustdick hinter den Ohren gehabt. Genauso wie der Opel
Corsa OPC, der mich zwei Wochen auf Trab hielt. Wuchtige 18-Zoll-Felgen,
Heckdiffusor, mittig angelegtes Endrohr, Heckspoiler und dazu noch
quietschgelb – so fiel mir sein Spitzname nicht schwer: Herzlich willkommen
Pikachu!
Pikachu und der Corsa OPC haben viel gemeinsam. Man muss schon genauer
hinschauen, um zu erkennen welch kleines „Dreckstück“ sich hier wirklich
verbirgt. Unter der Motorhaube pocht ein Vierzylinder mit 1,6 Litern
Hubraum. Noch ein wenig Turbokraft hinzu gezaubert und der Corsa bringt es
auf drahtige 192 PS. Trainiert haben beide, Pikachu auf dem Game Boy und der
Corsa OPC auf dem Nürburgring.
Auch sonst wurde der Corsa optisch noch einmal ordentlich optimiert. So
sorgen kraftvolle Front- und Heckschürzen, mit markanten Kiemen, für ein
bulligeres Erscheinungsbild, ohne dabei den Fahrer zum Dorfproleten mutieren
zu lassen. Der Dachspoiler gibt der Coupé-Linie noch einmal ein Plus an
Dynamik. Nicht dass das Basisdesign hässlich wäre, ein Augenschmaus wird der
Corsa allerdings erst im OPC-Design.
Ebenso wurde der Innenraum erfrischend auf OPC gepimpt. Neben den schicken
Einstiegsleisten, fällt der Blick auf das unten abgeflachte
Sport-Lederlenkrad, sowie die Recarco-Sportsitze. Die wurden zusammen mit
Opel entwickelt und lassen sich für den Einstieg in den Fond nach vorne
klappen.
Durch die großen Fensterflächen im Frontbereich, wirkt der Corsa viel größer
als er eigentlich ist. Die Übersicht ist gut, einzig die dicken C-Säulen
lassen manchen Schulterblick verpuffen. Das ist ein Tribut an die coupéhafte
Linie, die auch bei anderen Herstellern vorkommt.
Es
ist herrlich anzuschauen, wie hochnäsig sich die Menschen in seiner Umgebung
verhalten. Der Corsa OPC straft sie mit 7,2 Sekunden im Sprint auf 100.
Dabei stürmen mittels „Overboost“ kurzzeitig bis zu 266 Newtonmeter auf den
Antriebsstrang. Aber auch ohne Overboost geht er mit 230 Newtonmeter
Drehmoment immer noch ordentlich voran. Auch auf der Autobahn hält er sich
frech fröhlich und drängt mit äußerst respektablen 225 km/h Topspeed andere
„Kollegen“, doch bitte mal schleunigst die linke Spur zu räumen. Spielend
leicht zieht der Corsa die 1,2 Tonnen Leergewicht mit sich.
Für das Fahrwerk darf man den OPC-Ingenieuren nur folgendes sagen: Danke!
Statt knüppelhartem Durchgerüttel, geht es „nur“ straff sportlich zu.
Deutlich ist zu spüren, dass hier der Nürburgring, eine der
anspruchsvollsten Strecken der Welt, Einfluss hatte. Hier muss die
Abstimmung passen, mit einem knüppelharten Fronttriebler durch die grüne
Hölle zu rasen, führt bei „Normalo-Fahrern“ eher zu einem
Bandscheibenvorfall als zu einer Bestzeit.
Das Sechsganggetriebe ist, trotz der etwas zu langen Schaltwege,
hervorragend zu bedienen, der Schaltknüppel liegt gut in der Hand. Die
Lenkung ist äußerst präzise und gibt ein direktes Feedback von der Straße
wieder. Weniger gut zu sprechen ist der Corsa auf Spurrillen, denen er gerne
mal folgt, wenn der Fahrer nicht aufpasst. Ansonsten ist das Handling
einfach top.
Und das beweist Pikachu in jeder noch so engen Kurve. Agil schmeißt sich der
gelbe Blitz in die Windungen der hiesigen Landstraßen, lässt sogar hier und
da das Heck kurz zucken. Selbst bei hohen Kurvengeschwindigkeiten, bleibt
das (abschaltbare) ESP sehr gutmütig.
Trotz der Power von 192 PS an den Vorderrädern, neigt die Vorderachse nur
äußerst selten zum Untersteuern. Sollte es dann doch mal zu kniffelig
werden, greift die üppig dimensionierte 16-Zoll Bremsanlage mit blau
lackierten Bremssätteln knackig zu.
Doch nicht nur die größere Bremsanlage zollt den fast 200 PS Tribut. Auch
ein stärkeres Hinterachsprofil und ein geänderter Einschweißwinkel der
Torsionsquerlenker-Hinterachse sowie die optimierte
Feder-/Dämpfer-Abstimmung und die Tieferlegung um 15 mm hat der OPC seinen
„normalen“ Brüdern voraus. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass
der heiße Kleine die 20,8 km der Nordschleife mit einer Rundenzeit von
08:47,99 meistert.
Angesichts dieser Performance hätte der mittig platzierte Sportauspuff
allerdings etwas mehr Sound verdient. Erst in höheren Drehzahlen geht ein
leichtes Fauchen im Innenraum umher. Der
Astra OPC gibt hier einfach mehr
her. Einmal warmgefahren meldet sich auch der Turbolader, mit einem leichten
Pfeifen zu Wort und hier und da röchelt ein kleines bissel „Rotzgeblubber“
aus der Tröte. Positiver Nebeneffekt der Sound-Auslegung der Opel-Leute:
Auch bei Vollgas-Etappen auf der Autobahn baut sich keine allzu
aufdringliche Soundkulisse auf. Generell wurde sehr viel Wert auf
Alltagnutzen gelegt. Selbst ein Trip von mehreren hundert Kilometern am
Stück, bereitet weder dem Fahrer noch seiner Bandscheibe großartige
Probleme. Dafür sorgen neben Fahrwerk auch die erstaunlich bequemen
Sportsitze, die zudem einen sehr guten Seitenhalt bieten. Der Spritverbrauch
pendelte sich bei vollgasfesten 10,0 Litern ein. Hätte mein Gasfuß nicht
immer so viel mit dem rechten Pedal geflirtet, wären locker acht bis neun
Liter drin gewesen. Doch Fuß und Pedal liebten sich heftig, daher …
Seltsamerweise schien der gelbe Frechdachs die Sonne gleich mitgebracht zu
haben. Während der zwei Wochen, in denen ich das Auto testen durfte, kam es
kein einziges Mal zum Niederschlag. So kann leider nichts zur Fahrpraxis in
feuchtem Terrain gesagt werden, was sehr schade ist, denn genau hier zeigen
sich oft die Tücken, wenn sich zu viel Kraft auf der Vorderachse sammelt.
In
der Basis kommt der Corsa OPC auf 23.100 Euro. Der einzige wirkliche Rivale
in dem Segment heißt Mini John Cooper Works. Der kommt zwar mit 19 PS mehr,
Sperrdifferential und einem besseren Prestige daher, liegt mit knapp 29.000
Euro Basispreis aber knapp 6.000 Euro über dem Opel.
Selbst vollausgestattet mit Leder, Navi, Sonnendach und anderem Krimskrams,
kommt der Corsa OPC mit ca. 28.000 Euro günstiger als der JCW. Fahrspaß
bringen alle beide mit sich. Im direkten Vergleich, ist der Corsa dem Mini
allerdings haushoch überlegen. Nicht nur dass er verspielter wirkt, er ist
auch deutlich alltagstauglicher.
Fazit:
Der Corsa ist ja eigentlich mehr so eine Art „Hausfrauenauto“. Wer drauf
steht, tut sich den 1,0-Liter-Basismotor mit Stahlfelgen an. Brachiale
14-Zöller verstehen sich von selbst. Grundsätzlich reicht das, um
emotionsbefreit von A nach B zu tuckern. Wer aber auf Emotionen steht, der
greift zur OPC-Variante.
Viele meiner Freunde runzeln die Stirn, dass ich dieses Auto in so hohen
Tönen lobe. Einige wurden mittels Landstraßeneinlagen im Corsa bekehrt, die
anderen haben etwas verpasst. Der Corsa OPC ist meiner Meinung nach der
derzeit beste OPC, den es zu kaufen gibt. Er bietet Fahrspaß, einen relativ
gemäßigten Verbrauch, ein überaus faires Preis-/Leistungs-Verhältnis in
seiner Klasse und schaut dazu noch fein aus. Und das ist mir viel mehr wert,
als ein Auto mit einem makellosen Image. Der Corsa hat Ecken und Kanten und
genau das macht ihn aus.
pro:
- sehr gutes Handling
- bequeme Sportsitze
- direkte Lenkung
- hohe Alltagstauglichkeit
- gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis
contra:
- schlechte Übersicht im C-Säulen-Bereich
- mauer Auspuffsound
- Soundanlage eher unterer Durchschnitt
Note: 2
Datenblatt Opel
Corsa OPC
Hubraum: 1.598 cm³ | 141 kw (192 PS) bei 5.850 U/min | 230 Nm bei 1.980 –
5.850 U/min | Vmax: 225 km/h | Beschleunigung 0- 100 km/h in 7,2 s | Co2
Emission g/km: 190 g | Durchschnittsverbrauch: 7,9 l/100 km | Preis: ab
23.100 EUR inkl. MwSt.
Text
und Pics: Mario-Roman Lambrecht
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