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Es
begann in Düsseldorf. Nach der Präsentation des Hummer H3 V8 in den
Niederlanden ging es direkt nach Düsseldorf, wo ER stand. Der Cadillac CTS
3,6 V6. Irgendwie anders. Markant und eigenständig. Nicht so metroluschig
wie manch eine europäische Limo. Nein, ehrlich und männlich.
Die
hochkant angebrachten Frontleuchten geben dem Cadi ein eigenes Gesicht.
Zusammen mit dem monströsen schwarzen Kühlergrill deutet er schlicht und
einfach an: „Weg da, Du störst!“ Die Seitenlinie gibt eine leicht
keilförmige Silhouette frei und geht in einer leicht Coupé-like angesiedelten
Schusslinie final zum Heck über.
Das
wiederum schaut richtig saftig nach Ami aus. Zwei Endrohre, eine große
Bremsleuchte und leicht herausragende, ebenfalls hochkant angebrachte,
Rückleuchten spielen mit klassischen Designelementen. Er polarisiert.
Herausheben aus dem Einheitsbrei will er sich. Und das ist ihm gelungen.
Kaum
Platz genommen in den ordentlichen Ledersitzen gibt sich der Cadillac so wie
er schon immer war. Man fühlt sich einfach sauwohl. Überraschend ist, dass
auch die Verarbeitung auf einem hohen Level ist. Die Haptik passt − alles
fühlt sich gut an. Die Carbon-Optik in den Armaturen gibt dem CTS noch ein
zusätzliches Rennflair. Es ist deutlich zu merken. Cadillac ist es ernst mit
dem Europa-Auftritt.
Besonderes zu beachten ist der ausfahrbare Touchscreen-Monitor. Im
Normalzustand gibt er nur eine kleine Fläche zum Bedienen der Musik frei.
Werden Elemente der Navigation benötigt, fährt der Monitor in voller Größe
aus der Mittelkonsole heraus. Die Auflösung ist aber nicht mehr up to date.
Hier sind Europäer und Japaner mittlerweile allesamt weiter und glänzen mit
knackig scharfen Displays.
Schlüssel umgedreht. 311 PS erwachen zum Leben. 3,6 Liter Hubraum lassen dem
Auspuff einen sonor klingenden Sound entweichen. Und das schon im Stand. Der
V6 will nicht nur spielen, der will jagen. Soll er. Also ab auf die Autobahn
nach Hamburg. Zack auf die Beschleunigungsspur, Sportmodus rein gepfeffert
und runter das Pedal.
Die
Automatik arbeitet exzellent, sie reagiert sofort auf jeden Gasschub. Der
Cadillac stürmt in 6,3 Sekunden auf 100 und
macht ordentlich Lärm. Dabei stemmen die Pneus 374 Newtonmeter in den
Asphalt. Bei 241 km/h ist laut Hersteller Schluss mit lustig. Vertraut man
dem Tacho sprintet der CTS allerdings noch bis Tempo 264 voran. Danach wird
er leider abgeriegelt. Und eines kann ich Ihnen sagen: ALLE machen Platz. So
schön aggressiv wie der Ami von hinten angeschoben kommt, bleibt den meisten
nur der Rechts-Blinker.
Wer
nun die These glaubt, dass Amis nur geradeaus können, der irrt sich beim CTS.
Auf dem Nürburgring wurde er geschliffen. Und bekam ein Europa-gerechtes
Fahrwerk verpasst. Straff gefedert und dennoch komfortabel gibt der CTS ein
sauberes Fahrgefühl wieder. Kurven werden sauber und mit ordentlichem
Grinse-Faktor überwunden. Gepaart mit der präzisen und Feedback gebenden
Lenkung kann man nur sagen: Respekt!
Doch
das Beste an diesem sportlichen Cadi ist, dass er von Grund auf ehrlich zu
dem Fahrer ist. Gaukeln sportliche Limos anderer Premiumhersteller trotz des
hohen Gewichts mit viel Elektronik und Aktivlenkung ein leichtes Produkt
vor, gibt sich der Cadi gelassen wahrheitsgetreu. Ja, er wiegt 1,8 Tonnen
und ja er muss/will geprügelt in die Kurven geprügelt werden. Aber das Wie
ist einfach nur „geil“.
Bei
meiner Lieblingsdisziplin, dem sinnlosen Grillen von Pneus auf der
Hinterachse durch Drifteinlagen in den Kurven und sinnbefreites
Donout-Ballet auf Parkplätzen kommt der Cadi nie ins Schwitzen. Selten hat
es soviel Spaß gemacht, sich von einer Limo mit diesen Ausmaßen schwindelig
zirkeln zu lassen.
Selbst mit deaktivierter Elektronik hat man immer das Gefühl, Herr über das
Fahrzeug zu sein. Die 3,6 Liter Hubraum geben dem Fahrer genug Freiraum, um
aus jeder Drehzahl genug Saft auf die Räder zu bringen. Zudem werden hier
erst wirklich die Stärken des Fahrwerks sichtbar.
Natürlich darf man bei aller Liebe nicht vergessen, dass hier und da noch
Verbesserungen nötig sind. So sind zum etwa die Fensterheber umständlich zu
erreichen, in der Nacht führt die Mittelkonsole einige negative Details vor
Augen. Erst jetzt fällt einem die viel zu überflutete Knopf-Ansammlung auf.
Ebenso hätte der analogen Uhr hochwertiger Kunststoff oder gar Glas durchaus
gut getan. Durch die Hintergrundbeleuchtung wirkt sie zu später Stunde nicht
sehr edel. Doch sein wir mal ehrlich. Egal ob Ami, Italiener oder Brite,
wenn es bei diesen Nationalitäten nichts zu meckern gäbe, wäre doch der
ganze Charme dahin.
Einen
Urlaubstrip mit dem CTS? Kein Problem. Der Kofferraum gibt mit 373 Litern
genug Volumen für einen Trip nach Italien frei. Die Außenmaße des CTS sind
mit denen eines 5er BMW zu vergleichen, dementsprechend sind die
Platzverhältnisse auch im Innenraum hervorragend. Bei V-Max gab es dann doch
weibliche Kritik an das für Langstrecken etwas zu harte Fahrwerk. Hier wäre
ein optionales Fahrwerk mit verschiedenen Dämpfungsgraden ein sinnvolles
Gimmick.
Das
Beste am CTS V6 ist der Verbrauch. Nach 1.300 teils sehr rabiaten
Testkilometern, begnügte sich der Ami dennoch nur mit einem
Durchschnittsverbrauch von 13 Litern. Das ist in der Klasse ein
hervorragender Wert und widerlegt somit nochmals ein Klischee der Amis: das
des brachialen Spritsaufens. Mit einem nicht ganz so lockeren Gasfuß sollten
10 bis 11 Liter problemlos möglich sein.
Fazit:
Dieser Ami hat das gewisse Etwas. Ein Auto mit soviel Charakter habe ich
schon lange nicht mehr unter meinem Gasfuß bekommen. Auch im Design gibt
sich die amerikanische Edelmarke selbstbewusst − Cadillac hat sich sichtlich
Mühe gegeben, dem CTS ein eigenes Gesicht zu verleihen und das war aus
meiner Sicht die richtige Wahl. Es ist frisch, es ist markant und es ist
richtig maskulin. Viele Autos standen in meiner Garage, aber selten hab ich
eins so sehr ins Herz geschlossen wie diesen Racker.
Cadillac-Mama General Motors ist sich bewusst, welche große Hürde sie mit
Europa zu nehmen hat. Wenn die Qualität ihrer Automobilkreationen weiterhin
so zunimmt und die bösen Finanzkrise überwunden ist, dann ist alles nur noch
eine Frage der Zeit bis die Akzeptanz auch hierzulande da ist.
Note: 2
Komfort: 8/10
Sportlichkeit: 7/10
Wohlfühlfaktor: 10/10
Datenblatt Cadillac
3,6 V6 Aut. Sport Luxury
Antriebsart: Heckantrieb | Hubraum: 3.564 cm³ | Leistung: 229kW (311 PS) bei
6.400 U/min | Drehmoment: 374 Nm bei 5.200 U/min | Vmax: 241 km/H | Co2
Emission g/km: 264 | Beschleunigung 0-100 km/H: 6,3 s |
Durchschnittsverbrauch: 11,1 l/100 km | Gewicht: 1.798 kg | Preis: ab
46.490,00 EUR inkl. MwSt.
Text &
Pics: Mario-Roman Lambrecht |