Hamburg, 27.09.2007: Ich gebe es zu. Ich mag BMW nicht. Ich bin kein BMW-Fahrer. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, wo BMW fahren immer eher proletenhaft war. Breiter, dicker, härter, Schwanzersatz. Mich hat bisher nur ein BMW begeistert. Der BMW Z8. Den halte ich für ein Meisterstück. Wunderschön, zickig und eine Diva sondergleichen. Der Z8 hat mich damals gleich von Beginn an gefesselt.
Es gibt aber immer wieder Lockrufe seitens BMW, die mich in Versuchung geraten lassen. Einige, wie das BMW 6er-Cabrio haben mich schon fast überzeugen können. Nun steht wieder ein neuer BMW in meiner Tiefgarage. Genauer gesagt ein Z4 M Coupé. Knallrot, von Bügelfaltenlinien durchzogen und mit vier knackigen, mittig platzierten Endrohren bestückt. Endlich wieder mal ein Pro Bangle Automobil. Vielleicht sollte man den lieben Chris einfach bei den Coupés und Cabrios lassen und sich somit den Spot für die verunstalteten Limousinen (siehe 5er) ersparen. Wird dieses Coupé es schaffen, dass ich mich der bayrischen Automobilkunst hingebe?
Die maskuline Front gibt den Ton auf der linken Autobahnspur an. Das ganze Design ist mit einem perfekten Maßanzug zu vergleichen. Die dynamische Linienführung breitet sich bis ins Heck aus. Es wurde viel getan seit die viel zu feminin geratene Roadster-Version 2002 auf den Mark geworfen wurde. Nachdem die Coupé-Version des Vorgängers schon nicht gerade mit liebevoller Kritik aufgenommen, sondern eher herablassend als „Turnschuh“ betitelt wurde, scheint BMW dazugelernt zu haben. Mittlerweile entwickelt sich der überlebensgroße Käselatschen aber zu einem begehrten Kultobjekt. Das neue Coupé hat allerdings das Potential nicht erst als Gebrauchtwagen Kultstatus zu erreichen.
Die Hinterräder werden vom drehzahlsüchtigen, 343 PS starken Sechszylinder aus dem M3 (E46) befeuert. Aber bekanntlich ist Papier geduldig. Wollen wir mit der Karre doch mal Tacheles reden. Schon das Starten des Motors lässt meine Nachbarn genervt zusammenzucken. Im untertourigen Bereich hat der Z4 M einen mordmäßig geilen Sound. "Dieses Auto wird dir Vergnügen bereiteten", suggeriert mir mein Unterbewusstsein und meine Hände krallen sich erwartungsvoll in das dicke Lenkrad. Meine Augen bleiben bei den wundervoll gefertigten Tacho-Elementen stehen, die wild zuckend einen Eindruck der Dreidimensionalität vermitteln.
Kaum auf der Landstraße angelangt, geht es im Sportmodus furios in die Ungeraden. Ich sprinte von Kurve zu Kurve ohne dass hier jemals der Gedanke von zu wenig Leistung aufkommt. Es wird jedoch auch schnell klar, dass dieses Auto eine echte Männerhand mit viel Feingefühl benötigt. Das Heck neigt gerne zum Wedeln, beim schnellen Kurvenwechsel wird aber routiniert von der Elektronik eingebremst. Ungeübten Fahrern ist der Griff zum ESP-Schalter nicht zu empfehlen, denn dann mutiert der Z4 zum unbändigen Tier, das nur mit Erfahrung in den Kurven gehalten werden kann. Sollten Sie also nicht die Finger davon lassen können und zu diesen „Ich sehne mich nach der nächsten Baumrinde Fahrern“ gehören… dann kann ich nur sagen: Willkommen bei der Freude am Fahren. Und wenn Sie die ersten Drifts mit diesem Baby hinter sich gebracht haben, ist der Scheck für dieses Schmuckstück quasi schon unterschrieben.
Das Fahrwerk ist straff abgestimmt und nicht für bandscheibengeplagte Seelen zu empfehlen. Besonders nach einer langen Bleifuss-Autobahnfahrt im Sportmodus, wird sich Ihr Rücken den Gang zum nächsten Anwalt überlegen, um ein Klage auf Schmerzensgeld zu erwägen. Als Kunde haben Sie hier noch die Wahl zwischen der regulär bei 250 km/h abgeriegelten oder der auf 275 km/h erhöhten V-Max-Version, die nur bei Vorlage eines speziellen Fahrsicherheitstrainings-Nachweises frei geschaltet wird. Genug, um hässlich lachend den 250er Opa den Mittelfinger im Rückfenster zu zeigen, zu wenig, um den ärgsten Konkurrenten Porsche Cayman S in seine V-Max-Schranken zu verweisen. Ohne Abriegelung sind 300 problemlos machbar und der Z4 M könnte dann auch das Zuffenhausener Coupé zur Strecke bringen. Hier zählt dann wohl der tröstende Gedanke, ich könnte ja aber ich darf nicht.
Fazit: Wem der Porsche Cayman S zu perfekt, der SLK zu Lifestyle-lastig und der Audi TT zu clean ist, der hat hier ein rassiges Coupé mit Ecken und Kanten. Ein Auto, das durch Fahrspaß überzeugt, aber auch die gewisse Portion Mut erfordert um die Grenzen dieses kleinen Kraftpakets wirklich komplett nutzen zu können. Ich stehe weiterhin zum Porsche Cayman S, doch der Z4 M ist auf dem richtigen Weg zum perfekten Sportler-Coupé. Ich erwarte jetzt schon voller Ungeduld das Z5 M Coupé.
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